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Surface Duo trifft iPhone Duo: War Microsoft sechs Jahre zu früh?

von Leonard Klint
13. September 2026
in News
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Surface Duo trifft iPhone Duo: War Microsoft sechs Jahre zu früh?
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Apple hat am 9. September 2026 sein erstes faltbares iPhone vorgestellt und nennt es iPhone Duo. Ab 2.299 Euro, Verkaufsstart am 23. Oktober. Den Namen hatte Microsoft schon einmal: Das Surface Duo kam 2020 für 1.549 Euro, bekam glänzende Hardware-Kritiken und ging an seiner Software zugrunde. Wir haben es damals über Jahre begleitet. Hier ist, was Microsoft richtig sah, woran es tatsächlich gescheitert ist und warum Apple denselben Fehler nicht machen kann.

John Ternus hat in seiner ersten Keynote als Apple-Chef das faltbare iPhone enthüllt, und irgendwo in Redmond dürfte jemand kurz den Kopf gehoben haben. Denn Apple nennt das Ding Duo.

Man muss das erst einmal sacken lassen. Der Name ist im Mobilbereich nämlich schon vergeben, und zwar an eines der spektakulärsten Scheitern der jüngeren Microsoft-Geschichte. Ich habe das Surface Duo damals nicht nur beobachtet, ich habe es hier über Jahre begleitet. Und ich kann Ihnen sagen: Der Vergleich schmeichelt Apple weniger, als Apple denkt.

Kurzer Rückblick für alle, die 2020 mit anderem beschäftigt waren. Microsoft brachte damals ein Gerät mit zwei 5,6-Zoll-Displays auf den Markt, verbunden durch ein Scharnier, das sich um volle 360 Grad drehen ließ. Kein faltbares Display, sondern zwei echte Bildschirme. Nach Deutschland kam es erst im Februar 2021, zu 1.549 Euro für 128 Gigabyte. Wer nicht warten wollte, importierte es aus den USA – so wie unser Community-Mitglied Andreas, dessen Erfahrungsbericht nach zwei Wochen Dauernutzung bis heute zu unseren meistgelesenen Surface-Artikeln zählt. Danach haben wir das Gerät monatelang im Alltag begleitet, mit eigenen Berichten zu Verarbeitung und Haptik, zu Software und Performance und später zum Nachfolger Duo 2.

Diese Texte liest man heute anders.

Die Idee war nie das Problem

Surface Duo

Fangen wir mit dem an, was Microsoft richtig gesehen hat, denn das ist erstaunlich viel.

Ein Gerät in Hosentaschengröße, das sich aufklappen lässt und dann zwei Dinge gleichzeitig kann. Teams links, Outlook rechts. Video oben, Chat unten. Und – das war der Anwendungsfall, den unsere Leser in den Kommentaren am häufigsten nannten – ein E-Book, das sich mit zwei Seiten liest wie ein richtiges Buch. Ein Leser hat sich extra eine Lederhülle aus Frankreich kommen lassen, damit die Illusion perfekt ist. Sowas erfindet keine Marketingabteilung.

Die Hardware bekam international Applaus. Das Scharnier galt als technische Meisterleistung, die Verarbeitung als hervorragend. Amerikanische Tester schrieben, sie hätten sich mit dem Duo produktiver gefühlt und Aufgaben anders angepackt als auf einem normalen Smartphone. Wir haben diese Ersteindrücke damals zusammengetragen.

Und jetzt ratet mal, womit Apple 2026 für das iPhone Duo wirbt. Genau: zwei Dinge gleichzeitig, mehr Fläche in der Tasche, produktiver arbeiten. Es ist derselbe Pitch. Er ist nur sechs Jahre später und 750 Euro teurer.

Woran es wirklich gescheitert ist

Hier wird es interessant, und hier lassen die meisten Rückblicke den entscheidenden Teil weg.

Das Surface Duo war ursprünglich überhaupt kein Android-Gerät. Geplant war eine Variante von Windows Core OS, intern Andromeda genannt. Nach den Erfahrungen mit Windows 10 Mobile und dem ewigen App-Elend entschied Microsoft sich dagegen – und zwar so spät, dass Android bei der Vorstellung des Geräts erst seit wenigen Wochen feststand.

Wenige Wochen. Bei einem Gerät, dessen gesamte Daseinsberechtigung darin bestand, dass die Software mit zwei Bildschirmen umgehen kann.

Was danach kam, war keine Produktentwicklung mehr, sondern Schadensbegrenzung. Schnittstellen mussten von Windows nach Android portiert werden. NFC fehlte. Kabelloses Laden fehlte. Die Kamera war erbärmlich, weil sie in der ursprünglichen Planung eine völlig andere Rolle gespielt hatte – bei der ersten Generation musste die Selfiekamera gleichzeitig als Hauptkamera herhalten. Das Jahr bis zum Marktstart verbrachte Microsoft damit, ein fremdes Betriebssystem für eine Hardware zurechtzubiegen, für die es nie gedacht war.

Das Ergebnis kennt jeder, der das Gerät hatte. Bildschirme, die einfach schwarz wurden. Eine Erkennung des aktiven Displays, die per Gyroskop lief und ungefähr so zuverlässig war wie ein Wetterbericht für nächsten Monat. Eine Touch-Erkennung, die der Oberklasse hinterherhinkte, weil der verbaute Digitizer schlicht schlechter war. Dazu ein Konstruktionsfehler, den unsere Leser reihenweise gemeldet haben: abbrechende Kunststoffteile am USB-C-Anschluss. Bei einem Gerät für 1.549 Euro.

Erst das Android-11-Update brachte native Dual-Screen-Unterstützung und räumte die schlimmsten Baustellen ab. Ein volles Jahr nach Verkaufsstart. Unser Fazit damals war freundlich formuliert: So hätte das Gerät ausgeliefert werden müssen.

Das Surface Duo 2 machte dann fast alles richtig. 90 Hertz, acht Gigabyte RAM, ein echtes Dreifach-Kamerasystem, eine Bildschirmerkennung, die funktionierte. Es kam nur für zu wenige und zu spät. Einen Nachfolger gab es nicht – warum mich das schon damals geärgert hat, steht in meinem Kommentar „Surface Duo: Wir müssen reden, Microsoft!“. Später hat Microsoft dann auch noch das Windows Subsystem für Android eingestellt und sich damit endgültig aus diesem Feld verabschiedet.

Merkt ihr was? Das Surface Duo ist nicht an einer schlechten Idee gestorben. Es ist daran gestorben, dass Microsoft ausgerechnet an der Stelle die Kontrolle abgegeben hatte, an der es sie am dringendsten gebraucht hätte.

Was Apple hat, was Microsoft nie hatte

Und genau deshalb wird Apple diesen Fehler nicht wiederholen können, selbst wenn es wollte.

Apple entwickelt Gerät, Chip und Betriebssystem im eigenen Haus. iOS 27.1 ist ausdrücklich für das faltbare Display angepasst worden, der A20 Pro ist Apples eigener Chip, und wenn Apple den Entwicklern sagt, sie mögen ihre Apps für ein neues Seitenverhältnis anpassen, dann tun die Entwickler das. Innerhalb von Wochen.

Microsoft musste dasselbe gegen Google und einen gleichgültigen App-Markt durchsetzen. Das ist kein Unterschied in der Ingenieurskunst. Das ist ein Unterschied in der Machtposition.

Zum Vergleich die nackten Zahlen:

iPhone Duo (2026) Surface Duo (2020)
Bauform ein faltbares Display zwei getrennte Displays
Displays 7,6″ innen, 5,4″ außen, OLED, 120 Hz 2 × 5,6″, kein Falt-Display
Gewicht 254 g 250 g
Dicke aufgeklappt 5,2 mm 4,8 mm
Rahmen Titan Klasse 5 Kunststoff/Glas
Entsperrung Touch ID in der Seitentaste Fingerabdrucksensor
Kamera zwei 48 Megapixel eine, zugleich Selfiekamera
SIM ausschließlich eSIM Nano-SIM
Schutz IP68 keine IP-Zertifizierung
Preis zum Start (DE) ab 2.299 € ab 1.549 €

Schaut euch Gewicht und Dicke an. Microsoft war 2020 dünner und praktisch gleich schwer. An der Hardware lag es wirklich nicht.

Und wo Apple dann doch bei Microsoft abschreibt

Zwei Dinge möchte ich Ihnen trotzdem nicht ersparen.

Erstens der Preis. Microsoft verlangte 1.549 Euro für ein Gerät der ersten Generation mit halbfertiger Software und wunderte sich, dass niemand kaufte. Apple ruft jetzt 2.299 Euro auf, in der Vollausstattung 3.799 Euro. Samsungs Galaxy Z Fold8 startete 300 Euro darunter und ist dabei 53 Gramm leichter. Wer wissen will, wie schnell Apple-Preise fallen können, wenn eine Nische die Erwartungen verfehlt, muss nur zwölf Monate zurückschauen: Das iPhone Air lag nach einem halben Jahr rund 27 Prozent unter der eigenen UVP. Wie sich Apple-Preise im ersten Jahr typischerweise entwickeln, haben wir in unserer Preisprognose zum iPhone aufgeschlüsselt.

Zweitens, und das ist die eigentliche Pointe: die Software-Lücke. Microsoft lieferte ein Gerät aus, dessen Software nicht fertig war. Apple liefert in Deutschland ein Gerät für 2.299 Euro aus, bei dem die neuen Siri-KI-Funktionen schlicht nicht dabei sind. In der EU kommen sie vorerst nicht mit iOS 27. Apple Intelligence gibt es auf Deutsch, die erweiterte Sprachassistenz nicht. Einen Termin nennt Apple nicht.

Ihr kauft also ein Premiumgerät und warten darauf, dass eine beworbene Kernfunktion irgendwann in Ihrem Markt ankommt. Diese Erfahrung kennen deutsche Microsoft-Kunden ziemlich gut. Schön, dass sie jetzt allen offensteht.

Mein Rat

Wer 2020 sofort zum Surface Duo griff, hatte ein Jahr lang ein halbfertiges Gerät. Wer bis zum Android-11-Update wartete, bekam dasselbe Gerät deutlich billiger und in dem Zustand, in dem es hätte erscheinen sollen.

Für das iPhone Duo heißt das: Vorbestellung ab 16. Oktober, 14 Uhr. Verkauf ab 23. Oktober. Ob es taugt, entscheiden Scharnier, Falte, Akkulaufzeit und die Frage, ob ihr das große Display nach der zweiten Woche überhaupt noch aufklappt. Das klärt kein Bühnenauftritt, das klären Langzeittests. Und die gibt es frühestens im November.

Wer die erste Generation eines neuen Formfaktors kauft, bezahlt immer auch ein Stück Entwicklungsarbeit mit. Bei Apple ist das nicht anders als bei Microsoft. Nur teurer.

Fazit

Microsoft hatte die richtige Idee, das falsche Fundament und den schlechtesten denkbaren Zeitpunkt. Das Surface Duo ist nicht daran gescheitert, dass niemand ein aufklappbares Gerät mit zwei Arbeitsflächen wollte – das widerlegt Apple gerade mit einem Milliardenprojekt. Es ist daran gescheitert, dass Microsoft sich in dem Moment von seiner eigenen Plattform verabschiedet hatte, in dem es sie am nötigsten gebraucht hätte.

Dass Apples erstes Foldable nun ausgerechnet Duo heißt, ist vermutlich Zufall.

Treffender ginge es kaum.

Dies ist ein Leitartikel. Die Meinung des Autors spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von WindowsUnited wider.

Quelle: Apple Newsroom Deutschland, Keynote vom 9. September 2026

Häufige Fragen zu iPhone Duo und Surface Duo

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Surface Duo und iPhone Duo?

Nein. Das Surface Duo war Microsofts Dual-Screen-Gerät von 2020, das iPhone Duo ist Apples erstes faltbares iPhone von 2026. Gleicher Namenszusatz, verschiedene Hersteller, verschiedene Konstruktionsprinzipien.

Was kostet das iPhone Duo in Deutschland?

Ab 2.299 Euro für 256 GB. Weiter geht es mit 2.549 Euro (512 GB), 3.049 Euro (1 TB) und 3.799 Euro (2 TB).

Wann erscheint das iPhone Duo?

Vorbestellung ab 16. Oktober 2026, 14 Uhr MESZ. Verkaufsstart am 23. Oktober 2026.

Warum wurde das Surface Duo eingestellt?

Nach dem Surface Duo 2 kam kein Nachfolger mehr. Ausschlaggebend waren schwache Verkaufszahlen und die Softwareprobleme, die daraus resultierten, dass das Gerät ursprünglich für Windows geplant und erst kurz vor der Vorstellung auf Android umgestellt wurde.

Hat das iPhone Duo Face ID?

Nein. Apple setzt auf Touch ID in der Seitentaste.

Kann man das Surface Duo heute noch kaufen?

Neu nicht mehr regulär, gebraucht gelegentlich. Das Android-11-Update hat die Softwareprobleme der ersten Generation weitgehend behoben. Ein Alltagsgerät für 2026 ist es trotzdem nicht.

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