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So will Microsoft den App-Gap schließen

WindowsPhone-Store

Es ist DAS Aufreger-Thema Nr. 1 WP-Fans, aber wohl auch die kritische Frage, an der sich die Zukunft unserer Plattform entscheiden wird: der App-Gap.

Wachstum auf niedrigem Niveau

Einerseits hat Windows (Phone) in Sachen Apps schon beachtliche Fortschritte erzielt. Mittlerweile gibt es über eine halbe Millionen Windows Apps, gut 350.000 davon für Windows Phone. Und für 2014 hat Microsoft gerade durchaus positive Zahlen bekannt gegeben: im vergangenen Jahr ist die Zahl der registrierten Windows Entwickler um stolze 80% gestiegen – die Zahl der aktiven Store User immerhin um 30%. Das App-Angebot ist innerhalb eines Jahres um 60% gewachsen, bei Downloads und Umsätzen beträgt das Plus sogar 110% gegenüber dem Vorjahr.

Andererseits ist aber auch klar: das ist ein beachtliches Wachstum – allerdings auf niedrigem Niveau. Im Vergleich zu den Konkurrenzplattformen von Apple und Google hinkt das App-Angebot von Windows und Windows Phone noch immer deutlich hinterher – sowohl quanititativ, als auch qualitativ. In einer Welt, in der mobile Anwendungen immer präsenter und Smartphones und Tablets immer mehr zu „App-Launchern“ werden, kämpft Windows Phone damit noch immer gegen seine (drohende) Bedeutungslosigkeit.

Windows Expertin Mary Jo Foley von ZDNet hat gestern einen vielbeachteten Insider-Bericht veröffentlicht, der ein genaueres Bild davon zeichnet, wie Microsoft versuchen will das App-Angebot von Windows und Windows Phone in Zukunft verbessern und den Rückstand zu Android und iOS aufzuholen.  Dabei verfolgen die Redmonder gleich mehrere Ansätze.

Die große Hoffnung: Windows 10

Die größte Hoffnung liegt nach wie vor auf Windows 10 und dem Konzept der Universal Apps. Mit Windows 10 wird der Windows Store bekanntermaßen mit dem Windows Phone Store zusammengelegt, und Entwicklern soll es noch einfacher gemacht werden Apps zu programmieren, die auf allen Windows Geräten (Smartphone, Tablet, Desktop, etc.) gleichermaßen lauffähig sind.

Allerdings ist das weniger eine Revolution, als eine konsequente Weiterentwicklung bestehender Konzepte. Schon jetzt können Developer ihre WP 8 Apps relativ leicht für Windows 8 anpassen und nach dem Modell „einmal kaufen, auf allen Geräten nutzen“ anbieten. Es bleibt also abzuwarten, wie genau Microsoft mit Windows 10 der Durchbruch gelingen will und vieles wird sicherlich davon abhängen, ob die App-Nutzung auf Tablets, Laptops und Desktops insgesamt attraktiver wird (etwa durch die Möglichkeit, Metro-Apps in Fenstern auszuführen).

Immerhin hat Microsoft gestern auf dem offiziellen Windows Blog einige konkrete Maßnahmen genannt, durch die der Windows (Phone) Store jetzt schon für App-Anbieter interessanter gemacht sollen. Dazu gehören: Die Ausweitung von Bezahlmethoden (z.B. soll man in mehr Ländern Apps über die Handyrechnung zahlen können, wie es in Deutschland bereits möglich ist), bessere Unterstützung für In-App Werbung, eine bessere Promotion vorhandener Apps im Store und die Weiterentwicklung einfacher Tools, die auch Leuten mit wenig Programmiererfahrung den Einstieg in die App-Entwicklung erleichtern sollen. Das sind natürlich alles nur kleine Schritte, aber sie gehen in die richtige Richtung.

Windows 10 one store

Die Büchse der Pandora: Android Apps auf Windows Geräten?

Angeblich hat Microsoft aber auch einen Plan B in der Hinterhand, falls man es Windows doch nicht zutrauen sollte, den App-Gap aus eigener Kraft zu schließen. Dieser lautet: Android Apps auf Windows Geräten. Insider-Informationen zufolge arbeitet Microsoft derzeit aktiv an der technischen Umsetzung – die Bosse hätten aber noch nicht entschieden, ob sie diesen radikalen Schritt wirklich wagen wollen. Während der App-Gap durch den Support von Android Apps praktisch auf einen Schlag geschlossen wäre, fürchten viele Supporter, dass dies Windows (Phone) erst recht zur Bedeutungslosigkeit verdammen würde. Wieso sollten Entwickler überhaupt noch Windows Apps programmieren, wenn sie die kleine Minderheit von Usern bereits mit einer Android Version abdecken?

Tom Warren: in letzter Zeit echt nervig.

 

Charmoffensive: Das Buhlen um Entwickler

Unabhängig von solchen Gedankenspielen will Microsoft laut Mary Jo Foley gezielt versuchen, mehr unabhängige Software-Entwickler (independent software vendors, kurz: ISV) für seine Plattformen, wie Windows, Azure und Office 365  zu gewinnen. Ein besonderes Augenmerk wollen die Redmonder dabei auf Studenten und junge Start-Ups legen, sowie Entwickler, die Windows bisher noch nicht unterstützt haben.

Für diese Bemühungen Zuständig ist Microsoft’s Developer Experience (DX) Team und Foley liegt eine interne Email des Teamleiters Steve Guggenheimer vor, in dem die neue Strategie skizziert wird. Demnach will Microsoft Entwicklern in Zukunft eine Art Rundum-Betreuung („end-to-end lifecycle motion“) anbieten, angefangen von technischem Support bis zur Unterstützung bei Vertrieb und Marketing, um die Produkte auch kommerziell erfolgreich zu machen. Ziel sei dabei sowohl, dass die ISV für Microsoft-Plattformen entwickeln, als auch, dass sie selbst Microsoft Produkte innerhalb ihres Unternehmens nutzen.

Was für Microsoft relevante „ISV“ sind, wird in diesem Zusammenhang ebenfalls (neu) definiert. Konkret werden wir verschiedene Gruppen von Entwicklern genannt, die man für Windows und Co. gewinnen möchte: Start-Ups, traditionelle Client/Server Entwickler, Entwickler, die auf mobile/cloud Anwendungen wechseln wollen und solche, die in der „mobile/cloud Welt geboren wurden“.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt das selbe wie ich: macht Microsoft das alles nicht schon die ganze Zeit? Und wenn nein, warum erst jetzt?

Immerhin betreibt Microsoft schon lange ein (auch in Deutschland) sehr erfolgreiches Accelerator Programm, in dem vielversprechende Start-Ups und junge Entwickler-Teams gefördert werden. Allerdings ist dieses Programm sehr liberal, um nicht zu sagen „plattformagnostisch“, sodass am Ende nicht selten iOS und Android Apps anstatt WP-Apps dabei rauskommen. Ich frage mich, ob die neue Strategie auch bedeutet, dass Microsoft in Zukunft mehr Druck auf die geförderten Start-Ups ausüben wird, damit diese auch wirklich für die Windows Plattform zu entwickeln, nach dem Motto: eine Hand wäscht die andere.

Mein Fazit

Im Großen und Ganzen liefert der Artikel von Mary Jo Foley für mich wenig Grund zu gesteigerter Zuversicht. Wir haben einerseits das Prinzip Hoffnung (Windows 10), andererseits das Prinzip Verzweiflung (Android Apps für Windows) und ein intensives Werben um Entwickler, das meiner Meinung nach ebenso löblich wie selbstverständlich ist.

Ganz unabhängig davon bin ich aber ohnehin eher optimistisch was die Zukunft von Windows (Phone) betrifft. Ich habe die Fortschritte der letzten Jahre hautnah miterlebt und finde sie alles in allem beeindruckend. Die App-Situation wird derzeit oft schlechter geschrieben, als sie tatsächlich ist. Natürlich hat Windows auf mobilen Endgeräten noch nicht die kritische Masse erreicht, die langfristig das Überleben sichern würde, aber der Trend zeigt ganz klar in die richtige Richtung. Wenn teilweise so getan wird, als befände sich Windows Phone in einem schleichenden Zerfallsprozess, dann geht das völlig an der Realität vorbei. Vieles wird natürlich davon abhängen, wie attraktiv das Betriebssystem und die Hardware-Optionen in Zukunft insgesamt sein werden. Ich bin aber zuversichtlich, dass Microsoft mit Windows 10 vieles richtig machen wird. Mit anderen Worten: ich schließe mich dem Prinzip Hoffnung an.

Was glaubt ihr? Tut Microsoft das richtige, um den App-Gap zu schließen? Würdet ihr euch Android Apps auf Windows und Windows Phone wünschen?


Quellen: ZDNet.com, Windows Blog

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MarkusmikeschFLANMarco K.Markus Knodt Recent comment authors
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Markus Knodt
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Markus Knodt

Das Microsoft den Weg konsequent fortsetzt, finde ich gut und richtig. Angst bekomme ich immer bei den Gerüchten mit den Android-Apps. Als Windows Phone-Nutzer will ich auch für WIndows entwickelte Apps nutzen, keine Android-Apps. Warum sollten sich dann Entwickler überhaupt noch die Arbeit machen, für Windows Apps zu programmieren? Das wäre der Untergang von Windows Phone. Und wenn man ehrlich ist, und nicht gerade in der Redaktion von CHIP arbeitet, gibt es keine große „App-Lücke“ mehr. Natürlich gibt es Apps, die es nicht für alle Plattformen gibt. Die wichtigsten Apps gibt es mittlerweile für WP und es werden immer mehr.… Weiterlesen »

Markus
Gast
Markus

Ganz ehrlich? ich nutze WP seit jahren.. mit diversen Geräten. warum ich weg gegangen bin von Android? weil und WP einfach alles „nur“ funktioniert hat und die Bedienung für meine Bedürfnisse intuitiver war. die guten Cams und die tolle Hardware vorallem die präzisen Screens taten ihr übriges. als ultimative Plattform bleibt nur noch iOS übrig aber mit gefallen weder die Geräte noch die verbaute Hardware/Cam. und jetzt zum „App Gap“… mich kotzt das jeden Tag an das WP stiefmütterlich behandelt wird. Klar gibt es viele Apps ich gehe mal auf 2 Beispiele ein die sich bei mir durch fast ALLE!… Weiterlesen »

Marco K.
Gast

Ganz ehrlich? Wenn Microsoft Android-Apps auf Windows Phone zulässt, dann bin ich weg von Windows Phone und hol mir ein iPhone. Die Apps von Microsoft laufen dort ja eh um ein Vielfaches besser, als unter Windows Phone und vermissen muss ich somit nur das System, aber nicht die Funktionen. Es wäre einfach so ein absoluter Tritt in die Eier für alle Windows Phone Nutzer und -Entwickler, die seit Jahren Windows Phone unterstützen…

FLAN
Mitglied

Das Thema wird glaube ich tatsächlich heißer diskutiert als nötig. Sehr vieles gibt es schon. Manches fehlt, aber da ist auch auf anderen Plattformen so. Manches ist sicher in Arbeit, manches wird vielleicht nie kommen. Für andere Apps reicht die mobile Webseite – die heute teilweise schon besser sind als so manches grottige App, das von irgendwelchen Appdienstleistern oder am Hindukusch programmiert wurden (mein Beispiel ist meine lokale Straßenbahn-App für Android, iOS & WP – da nehm ich echt lieber die mobile Webseite..). Ansonsten muss natürlich auch gesagt werden, dass es einfach Zeit braucht, bis bei Apps alle Ecken und… Weiterlesen »

mikesch
Gast
mikesch

Das fände ich sehr gut. Ein Gerät mit dem durchdachten WP und den Anwendungsmöglichkeiten von Android!
Ab da wären Windows Phone der Verkaufsschlager.
Ich kann nicht verstehen wie man dagegen sein kann. Wenn ich mir die teilweise Umsetzung von Android Apps auf WP anschaue stehen mir die Haare zu Berge. Das miese Angebot an brauchbaren Browsern ist ein gutes Angebot hierfür.

Ich hoffe das MS endlich aufwacht bevor WP Geschichte sein wird. Man muß schon sehr vorbehaltslos gegenüber WP sein um die Offenheit und Vielseitigkeit von Android nicht zu vermissen wenn man auf WP umsteigt.

Gruß