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Porträt: Lumia Chefdesigner Peter Griffith spricht über seine Design-Philosophie

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Kennt ihr Peter Griffith? Nein, das ist nicht der Typ von Family Guy, sondern der Chefdesigner der Telefon-Sparte von Microsoft und damit hauptverantwortlich für den Look aller Phones, die den Namen „Lumia“, „Nokia“ oder auch „Asha“ tragen.

Während seine Designer-Kollegen bei anderer Firmen geradezu Kultstatus genießen und als Guru verehrt werden, ist Peter Griffith eher ein heimlicher Star hinter den Kulissen und dürfte nur absoluten Insidern ein Begriff sein. Nun aber hat Microsoft auf seinem Lumia Conversations Blog ein kleines Porträt gewidmet.

Wobei „Porträt“ nicht ganz richtig ist. Von der Person Peter Griffith gibt es weder ein Foto, noch persönliche Infos (der Mann scheint wirklich Öffentlichkeitsscheu zu sein). Dafür stehen alleine seine Produkte und deren Design-Philosophie im Vordergrund.

Da wären zum einen die bemerkenswerte Tatsache, das im großen Portfolio an untrschiedlichsten Telefonen, die Microsoft mittlerweile unter seinem Dach vereint, tatsächlich eine zusammenhängende Designsprache erkennbar ist. Als Beispiel, wird etwa das neue Feature Phone Nokia 215 und das Lumia 532 genannt – zwei denkbar ungleiche Geschwister, deren gemeinsame Herkunft dennoch erkennbar.

„Wenn Sie sich das Nokia 215 und das Lumia 532 anschauen, dann sind das beides verschiedene Geräte. Das Nokia 215 hat eine Tastatur und einen separaten Bildschirm, während das Lumia 532 einen Touchscreen hat. Aber trotz dieses unterschiedlichen Formfaktors, haben wir einen konsistenten Zugang zum Design.“

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Eine entscheidende Rolle spielt natürlich das Material, aus dem die Geräte geschaffen werden.

„Wir beginnen damit, die Materialien zu verstehen, aus denen wir unsere Phones herstellen. Das Material unserer Wahl ist Polycarbonat, zum einen weil es nicht mit Radio Signalen interferriert, zum anderen, weil wir beträchtliche Zeit und Energie darin inverstiert haben zu lernen, wie man dieses Material am besten verarbeitet.“

Nicht jeder wird dieses „Bekenntnis“ zu Polycarbonat gerne hören. Vor allem im Premium-Bereich gilt für viele Kunden Alu und Glas als das Maß aller Dinge. Bei iPhone Enthusiasten werden die Lumias da gerne als bunte Plastik-Bomber verschmäht. Aber Polycarbonat ist tatsächlich ein äußerst vielseitiger Kunststoff mit hervorragenden Eigenschaften und das ehemalige Nokia Team hat seine Verarbeitung wohl so gemeistert, wie kein anderes auf der Welt.

„Nehmen Sie das Lumia 532, zum Beispiel. Es ist aus dem gleichen Polycarbonat gefertigt wie das Nokia 215, aber wir sind einen Schritt weiter gegangen und haben eine halb-durchscheinende Schicht hinzugefügt, die die Basis-Schicht strahlen und die Farben noch intensiver erscheinen lässt. Do ein dual-layer Polycarbonat Gehäuse zu fertigen birgt viele Herausforderungen, aber das Resultat ist ein beeindruckendes Gerät. Wir hatten seit dem Asha 503 Zeit mit dieser Technik herumzuspielen und wir sind froh, sie jetzt zu einem größeren Publikum zu bringen.“

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Designphilosophie: pur und menschlich

Gutes Design heißt für das Microsoft Team, die richtige Balance zwischen Altem und Neuem zu finden:

„Wenn du etwas findest, das funktioniert, dann ist es leicht einfach weiter zu machen, jedes Mal das Selbe, aber genau dann scheiterst du daran, innovativ zu sein. Die richtige Balance zu treffen zwischen dem Design von Heute und der Entwicklung von Morgen ist der Schlüssel zu dem, was wir tun.“

Die Grundlegende Designphilosophie hinter den Lumia / Nokia Phones beschreibt Peter Griffith mit den Attributen rein und menschlich. Was das bedeuten soll?

„Das Element der Reinheit bedeutet, alle unnötigen Details, alles was nicht da sein muss, vom Telefon zu entfernen. Dieses Prinzip trifft auch auf die Windows Phone Plattform zu, also auch da herrscht Konsistenz.“

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„Wenn man alles entfernt, das nicht gebraucht wird, dann ist das, was übrig bleibt, entscheidend für den Erfolg des Objektes. Die Details müssen dann einfach stimmen. Einfachheit funktioniert nur, wenn sie nicht einfach zu erreichen ist!“

„Wenn wir von Menschlichkeit reden, dann meinen wir die persönliche Seite der Dinge, so wie die Ergonomie, wie es sich in der Hand anfühlt, und die Positionierung der Tasten. Aber es ist auch mehr als das.“

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„Es gibt nicht viele Produkte, die so ein intrinsischer Teil unseres Lebens sind wie unsere Mobiltelefone. Meistens warten unsere Telefone den ganzen Tag auf uns in unserer Hosentasche, stehen neben uns auf dem Tisch, viele von uns schlafen sogar mit ihnen neben dem Bett. Die sind dadurch sehr menschliche und persönliche Gegenstände.“

Die Ansprüche des Lumia Teams an ihre Arbeit:

„Dadurch, dass wir lernen mit unseren Materialien zu arbeiten, ihre innewohnenden Qualitäten zu verstehen, sind wir in der Lage eine große Pallette an Produkten herzustellen, jedes einzelne erfüllt mit Sorgfalt und Leidenschaft, jedes einzelne mit der höchsten Qualität, die möglich ist. Ohne Kompromisse.“

Ein Produktdesigner ist auch ein Künstler, und irgendwie wird wohl erwartet, dass sie ein bisschen hochtrabend daherphilosophieren. Aber im Vergleich zum selbstverliebten Apple-Guru Jonny Ive, klingt der bescheidene Peter Griffith für meine Begriffe geradezu bodenständig, authentisch und alles in allem überzeugend. Wenn ich ein Lumia in die Hand nehme, dann merke ich auf jeden Fall, dass es von Menschen entwickelt wurde, die sich Gedanken machen und einen Bezug zu ihrem Produkt haben. Einer dieser Menschen hat jetzt für mich zwar noch immer keine Gesicht, aber zumindest eine sympathische Stimme.


 

Quelle: Lumia Conversations, Übersetzung: WindowsUnited

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Königsstein

Königsstein

Mehr Beef als Maredo.

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KönigssteinMauriceThomas P Recent comment authors
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Thomas P
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Thomas P

Irgendwie sind alle guten Künstler, Musiker oder Designer Exzentriker…wobei ich dir bei Jonny Ive recht geben muss: Abgehoben…

Maurice
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Hab mal ein bisschen recherchiert und tatsächlich ein Bild von ihm in einem anderen Artikel gefunden 🙂 http://lumiaconversations.microsoft.com/2013/10/23/material-mastery-nokia-asha-500-502-and-503/