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Offener Brief an Satya Nadella: Mozilla Chef beschwert sich über Windows 10

Browser-War

Geht in Deckung, Freunde, wir haben einen neuen Browser-Krieg! Diesmal ist es der Firefox Entwickler Mozilla, der Microsoft vorwirft, die Anbieter anderer Browser zu benachteiligen. Der Grund: Mit dem Upgrade auf Windows 10 wird Microsoft’s neuer Webbrowser Edge zum Standard-Browser gemacht. Und im Vergleich zu früheren Versionen, ist es in  Windows 10 etwas umständlicher geworden, den Standard-Browser wieder zu ändern. War es bisher möglich, einen Firefox oder Chrome oder was auch immer mit einem Klick zum Standard zu machen, muss man nun den Umweg über das Einstellungs-Menü „Standard-Apps“ gehen und den präferierten Browser dort per Hand einstellen.

Firefox-Programmierer Jared Wein hat sich darüber schon vor einigen Tagen in einem Blog-Post beschwert. Mittlerweile hat der Konflikt die Chefetagen erreicht. Niemand geringeres als Mozilla Foundation CEO Chris Beard hat einen offenen Brief an niemand geringeren als Microsoft CEO Satya Nadella geschrieben, um sich über die neue Praxis in Windows 10 zu beschweren. In dem Schreiben heißt es unter anderem:

„Diese Änderungen beunruhigen uns nicht, weil wir das Unternehmen sind, das Firefox macht. Diese Änderungen beunruhigen uns, weil es Millionen von Nutzern gibt, die Windows lieben und deren Entscheidungen ignoriert werden und auf Grund der gestiegenen Komplexität, die jedem in den Weg gelegt werden, falls sie eine andere Entscheidung treffen als jene, die Microsoft bevorzugt.

Wir fordern Sie entschieden auf, ihre Geschäftsstrategie in diesem Bereich zu überdenken und das Recht der Leute zu respektieren, Entscheidungen zu treffen und ihr Online-Erlebnis selbst zu bestimmen… .“

Was gibt es dazu zu sagen? Nun, zum einen: Sooo schwer ist es nun auch wieder nicht, den Standard-Browser in Windows 10 zu ändern – wie man auch in Mozilla’s eigens angefertigten Tutorial-Video sieht. Trotzdem sollte man nie die Bequemlichkeit des Users unterschätzen. Unter uns gesagt: der gute alte Internet Explorer lebte zuletzt praktisch nur noch davon, der default Browser in Windows zu sein. Der Unterschied zwischen einem Klick und 3 oder 4 Klicks dürfte sich in den Nutzerstatistiken also durchaus bemerkbar machen.

Was Mozilla allerdings völlig unterschlägt: die neue Praxis in Windows 10 hat auch einen sehr vernünftigen Grund, der nichts mit Wettbewerbsverzerrung zu tun hat. Microsoft will dem User mehr und nicht weniger Kontrolle über die Standard-Programme geben. Vor allem soll Missbrauch verhindert werden, weil es leider sehr viel Malware und unseriöse Webseiten gibt, die Standard-Einstellungen ohne explizite Zustimmung des Nutzers manipulieren. Kollege Martin Geuss von Dr.Windows hat Mozilla deshalb vorgeworfen, sie würden Windows 10 einfach nicht verstehen.

Meiner Meinung nach liegt die Wahrheit hier in der Mitte. Wenn der Mozilla Chef jetzt so tut, als führte er einen selbstlosen Kampf um die Freiheitsrechte der Windows User, dann ist das ziemlich verlogen. Wenn Microsoft behaupten würde, die neue Regelung in Windows 10 diene einzig und alleine dazu, Missbrauch zu verhindern und soll in keinster Weise ihren neuen Webbrowser Edge pushen, dann wäre das genauso verlogen. Der häufigste Missbrauch („hijacking“) betrifft übrigens ohnehin die Defaults im Webbrowser (Suchmaschine, Startseite) und nicht den Browser an sich.

Letzten Endes ist das also klassische Politik. Die eine Seite schreibt sich „Freiheit“ auf die Flaggen, die andere Seite schriebt sich „Sicherheit“ auf die Flaggen, aber in Wahrheit geht es doch (hauptsächlich oder zumindest zum Teil) um eigene Interessen. Ich bin gespannt, wer sich hier durchsetzt. Mein Kompromissvorschlag: Default Browser in Windows 10 wird der Netscape Navigator und um das zu ändern, muss der Nutzer zuerst eine nichtlineare Differantialgleichung lösen.

Clickbait
Boobs + Kitty = Clickbait

 

Quelle: Mozilla via WindowsCentral Bildquelle: Ebaumsworld, Collocation America

Link zum Video

 

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Königsstein

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Mehr Beef als Maredo.

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WeneMucKoenigssteinRetroHero84SigiKönigsstein Recent comment authors
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Flo
Gast
Flo

Genialer Vorschlag. 😀
Wer dann noch etwas zu kritisieren hat, läuft nicht mehr rund.

Antares
Mitglied

@Königsstein: Vielleicht solltest du den Posten von Chris Beard nochmal genauer fassen, sonst ist das nicht ganz korrekt. Mozilla besteht ja aus zwei Teilen, einmal der Mozilla Foundation als Non-Profit-Teil (dessen CEO ist Chris Beard) und der Mozilla Corporation, die unter anderem für das Marketing und den Vertrieb von Firefox OS etc. verantwortlich ist. Deren Chef ist aber seit etlichen Jahren Mitchell Baker. Zum Thema: Grundsätzlich sind Microsoft und Mozilla beides Hersteller, die ich unheimlich gerne mag und die wirklich mein (nahezu) uneingeschränktes Vertrauen genießen, was die Qualität ihrer Software angeht. Enttäuscht haben mich beide eigentlich noch nie. Ich muss… Weiterlesen »

LinusWP
Gast
LinusWP
Sigi
WU Team

Ich betrachte die Meldung als den typischen „Hallo, wir sind auch noch da!“ Aufruf. Ist in Ordnung und wird von mir ab jetzt ignoriert. Firefox läuft bei mir bereits als Standardbrowser =)

RetroHero84
Mitglied

Hach ja … immer wieder die gleiche Leier! Ohne windows bzw. anderes OS auch kein Firefox… Die haben mächtig schiss in der Hose das die meisten User einfach merken das Edge so gut läuft das gar kein anderer Browser installiert werden muss! Und es ist so wie SIGI schon schreibt ein „Hallo, nicht vergessen uns wieder zu installieren“ Naja ich denke jeder der wirklich seinen Standardbrowser wechseln will, der wird auch herausfinden wie das geht! Ich jedenfalls nutze hauptsächlich Edge für mein alltägliches Surfverhalten. Lediglich zum testen von Webdesigns starte ich 2-3 andere Browser um zu sehen ob überall die… Weiterlesen »

Antares
Mitglied

Wieso? Klingt doch irgendwie wie Ätsch, passt also besser. Spartan klingt gleich so agressiv. 😉

Wie gesagt, Edge ist ein toller Browser, aber eben auch ganz am Anfang. 🙂

WeneMuc
Mitglied

sobald im Oktober die Erweiterungen kommen, bekommt Firefox den Schuh von mir. Mozilla sollte nicht die Hand beißen die sie füttert, Chris Beard hätte nicht den Posten wenn Windows nicht so erfolgreich wäre.
Da könnte ich mich gleich tierisch aufregen.
Und der Programmierer der sich da echauffiert hat, würde irgend so eine unbedeutende Rolle spielen.
Diese Wichtigtuer kann ich nicht ausstehen. Sie haben so viele Markanteile verloren dass sie jetzt Existenzängste bekommen? Sie sollten mal mehr über die Qualität ihrer Produkte und die Sicherheit nachdenken.