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Microsoft Chef Satya Nadella macht mich nervös

Ich mag den neuen Microsoft CEO Satya Nadella. Ich finde er strahlt eine Ruhe und Seriosität aus, die nach der Steve Ballmer Ära sehr wohltuend ist. Und er hat Charisma – nicht ganz Steve Jobs Level, aber dafür zieht er auch nicht das creepy Guru Ding ab. Aber Satya Nadella macht mich auch nervös. Seine Vision für Microsoft wird immer klarer, aber was das im Detail für die einzelnen Dienste und Produkte bedeutet, insbesondere für mein geliebtes Windows Phone, erscheint mir immer unsicherer.

Gestern wandte sich Nadella zum Ende des Fiskaljahres in einer Email an die Beschäftigten von Microsoft und skizzierte seine Vision und seine Ambitionen für die Zukunft des Konzerns.  Die wichtigste Message: Das Motto „devices and services“, mit der Ballmer den Inhalt von Microsoft definierte, hat ausgedient. Das neue Selbstverständnis lautet:

Microsoft is the productivity and platform company for the mobile-first and cloud-first world.

Soll heißen: Microsoft ist und bleibt im Kern ein Software-Konzern, der seine Produkte und Innovationen auf die Anforderungen einer mobilen Welt zuschneiden wird. Und dass man mit Microsoft Produkten nicht nur Freude haben, sondern auch produktiv sein kann, sieht Nadella als Kernkompetenz und Herausstellungsmerkmal, wie auch im Interview mit The Verge nochmals deutlich wird.

Was bedeutet die Abkehr von „devices and services“ für die Hardware-Seite? Noch nichts konkretes – zumindest mittelfristig bleibt sie Teil der Konzernstrategie.

„Wir werden first-party Hardware herstellen um damit die Nachfrage für das gesamte Windows Ökosystem zu stimulieren. Das heißt, wir werden zuweilen auch völlig neue Kategorien schaffen, wie wir es mit Surface gemacht haben.“

Aber während Nadella die Surface 3 explizit als Beispiel lobt, wie Microsoft digitales Leben und Arbeiten zusammenbringt und während er der Xbox im Anschluss einen ganzen Absatz widmet und betont „Microsoft wird auch in Zukunft energisch innovativ sein und Gamer mit der Xbox entzücken“,  schreibt er zu Windows Phones nur einen einzigen Satz:

„Wir werden den Markt für Windows Phone verantwortungsvoll anregen, das ist unser Ziel mit dem Kauf der Nokia Geräte und Services Sparte.“

Nun kann man schwer etwas gegen eine „verantwortungsvolle“ Strategie haben – ich bin ja nicht für eine verantwortungslose Strategie  aber ein besonders starkes oder emotionales Wort ist das nicht. Auch im Interview mit The Verge betont Nadella zwar pflichtgemäß, dass Google und Apple noch nicht gewonnen haben und dass der aktuelle Martkanteil nicht den eigenen Ambitionen entspricht – aber eine deutliche Kampfansage oder zumindest ein klares Bekenntnis zu Windows Phone höre ich nicht.

Ich glaube – oder fürchte  dass diese Zurückhaltung des Microsoft Chefs beim Thema Windows Phone kein Zufall ist. Sie passt zu den Gerüchten und Vermutungen, die in den letzten Tagen und Wochen die Runde machten, wonach man sich in Redmond alle Optionen offenhält – angefangen von Cortana für iOS und Android, bis hin zu Android auf Lumia Geräten oder Google’s Play Store auf Windows Phones. Selbst Windows Guru Paul Thurrott spekuliert offen über solche Schritte, auch wenn er sie nur als Plan B und C sieht.

 Nadella sieht die Zukunft von Microsoft offenbar in Produkten wie Office, Skype, Cortana und dem Cloud-Dienst OneDrive. Windows Phone, ob auf eigenen Geräten oder jenen anderer Hersteller, ist dabei nur ein Vehikel, um diese Produkte in einer „mobile-first world“ zum Kunden zu bringen. Nachdem Microsoft die Lizenzgebühren für WP 8.1 abgeschafft hat, verdient man am mobilen Betriebssytem an sich ohnehin kein Geld mehr.

Vorerst wird Microsoft weiter auf das eigene mobile Ökosystem setzen und um Marktanteile kämpfen. Windows auf allen Geräten ist natürlich nach wie vor das Ideal. Aber was wenn man zum Schluss kommt, dass Android ein besseres Vehikel für Skype und Co ist? Oder zumindest eine WP-artige Oberfläche auf Android Basis, womit man jetzt schon in der Nokia X Serie experimentiert? Was wenn man zum Schluss kommt, dass Windows Phone zu schwach ist, aber Skype, Office, Cortana, HERE, OneDrive etc. stark genug, um auch im feindlichen Ökosystem zu überleben?

Ich bin mir nicht sicher, ob Windows Phone in Nadella’s  „mobile-first and cloud-first world“ wirklich unverzichtbar ist.

Ich hoffe, dass ich mich irre und dass aus Redmond bald wieder deutliche Worte – und Taten! – kommen, die alle Spekulationen um die Zukunft von Windows Phone beenden. Windows Phone braucht und verdient das volle Engagement von Microsoft, damit sich seine Qualität am Markt durchsetzt.

Aus unternehmerischer Sicht ist es sicherlich vernünftig sich mehrere Optionen offen zu halten, solange die Zahlen bei WP nicht stimmen. Aber für Gerätehersteller und App-Entwickler, Fans und Kunden, ist jede Ungewissheit Gift.

Euer Königsstein

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Mehr Beef als Maredo.

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[…] anderen war in der Vergangenheit nicht immer klar, welchen Stellenwert Windows Phone in Nadella’s Stretegie genießt. In einer “cloud first, mobile first world”, in der Dienste wie Skype, OneDrive, Office etc. im […]