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The next big thing der Piraterie: Kodi Boxen entern den Markt für illegales Streaming

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Alle paar Jahre machen technologische Entwicklungen Sprünge und transformieren den Konsumentenmarkt in der IT-Branche. Der Personal Computer war so ein Sprung, das iPhone auch. Und während Microsoft Anstrengungen unternimmt, um das nächste Big Thing (Mixed Reality) nicht zu verpassen, findet abseits eine andere Entwicklung statt: Die Transformation des digitalen Schwarzmarktes. In den USA übernehmen zunehmend Kodi Boxen die Funktion von BitTorrents.

Illegales Streaming entwickelt sich weiter

Das Prinzip ist immer gleich. Nutzer teilen Dateien jeder Art (Musik, Filme, usw.) mit anderen Nutzern. Oft handelt es sich bei diesen Dateien um urheberrechtlich geschützte Inhalte. (Digitale) Piraterie ist keine neue Erscheinung. Sie hat im Laufe der Jahre viele verschiedene Formen angenommen, seitdem Medien mit einfachen Mitteln selbst zu Hause vervielfältigt werden können. Dabei ist das Kopieren geschützter Inhalte nur eine Seite der Medaille.

Die Verbreitung ist die andere. Mit der Verfügbarkeit des Internets in breiten Massen der Gesellschaft war die Weitergabe von Medien nicht mehr nur darauf beschränkt, dass Person A eine „Sicherheitskopie“ weitergab. Das Web ermöglichte eine Verteilung auch an fremde Nutzer. Zunächst waren da Peer-to-Peer-Netzwerke als Tauschbörsen. In den letzten Jahren dominierten dann BitTorrents den Schwarzmarkt. Dazu gibt es unzählige Möglichkeiten, Filme und Musik bei Filehostern und Videoportalen zu streamen. Und nun bahnt sich die nächste Evolution an: Set-Top-Boxen mit Kodi bringen illegale Inhalte dorthin, wo wir sie in der Regel konsumieren: direkt ins Wohnzimmer.

Fluch und Segen freier Software

Aufmerksame Leser von WindowsUnited kennen Kodi. Wir haben dieses Jahr schon mehrmals über das vielseitige Mediencenter berichtet. Das 2002 als Xbox Media Center (XBMC) gestartete Programm hat eine kleine Erfolgsgeschichte hinter sich. Ursprünglich diente es dazu, auf der Xbox eine Umgebung ähnlich dem Windows Media Center bereitzustellen und die Wohnzimmerkonsole somit auch als flexible Medienzentrale einsetzbar zu machen. Das Programm ist Open Source und hat schließlich den Sprung auf andere Systeme wie den PC gemacht. Dort wurde es spätestens mit Ende des Windows Media Centers zu einem der beliebtesten Multimediaprogramme. Seit 2016 ist es auch als Centennial-App im Microsoft Store für Windows 10 zu finden. Eine UWP-App ist in Arbeit. Wegen der freien Verfügbarkeit der Anwendung hat sich eine breite Entwicklerszene für Add Ons gebildet.

Und diese ist Fluch und Segen zugleich. Kodi verdankt seine Vielseitigkeit den unzähligen Erweiterungen, die dessen Fähigkeiten über das ursprüngliche Maß steigen. Dabei unterstützen mehrere Communities die Medienplattform. Und manche entwickeln Add Ons, die das Internet nach illegalen Inhalten durchsuchen. Schon länger wird von der Kodi Foundation um die richtige Art des Umgangs gerungen. Einerseits ist die Erweiterbarkeit für die Attraktivität des Media Players verantwortlich, andererseits wirft die Piraterie ihren Schatten auf das Projekt.

Während die Nutzung Kodis legal ist, kann man das Programm jedoch dazu missbrauchen, illegal das zu streamen, was man möchte: hochauflösende Serien und Filme, Musik, TV-Sender. Und das ohne dafür zu zahlen. Und da Kodi frei zugänglich ist, kann auch jeder Hersteller das Programm auf beliebiger Hardware einsetzen. So finden Set-Top-Boxen mit Kodi ihren Weg in Wohnzimmer.

Hat illegales Streaming einen neuen Star?

Welche Ausmaße hat diese Entwicklung? 2011 machten Torrents 23% des täglichen nordamerikanischen Interverkehrs aus. 2016 fiel diese Zahl unter 5%. Sicherlich gibt es viele Faktoren, die dazu beitragen. Die Verfügbarkeit und zunehmende Beliebtheit legaler Streaming-Services zum Beispiel: Spotify, Apple Music, Netflix oder Amazon (R.I.P Groove). Auch wurden bekannte Torrent-Seiten aufgrund von Urheberrechtsverstößen geschlossen. Aber in die US-amerikanischen Haushalte ziehen auch zunehmend sogenannte Kodi Boxen ein. 6% besitzen bereits eine Kodi Box, die illegale Inhalte aus dem Netz zieht.

Kodi ist sich des Problems bewusst. Ein Vorgehen gestaltet sich jedoch nicht einfach. Im Moment stehen Hardwarehersteller solcher Set-Top-Boxen in Nordamerika zunehmend unter Druck: Die ersten Gerichtsprozesse haben bereits gestartet. Gleichfalls geht die Kodi Foundation selbst gegen jene vor, die den Namen des Programms für Hardware verwenden, die mit zusätzlichen Add Ons verkauft werden.

Wichtiger und effektiver wäre jedoch die Bekämpfung der Ursache: Add Ons, die für Piraterie genutzt werden können. Das System jedoch geschlossener zu gestalten ist kaum eine Option. Die Einführung eines App-Stores, der nur legale Add Ons zulässt, könnte dazu führen, dass Entwickler einfach einen Fork kreieren. Die Software ist und bleibt ja Open Source. In Kanada wurde unterdessen der Betreiber der Entwicklercommunity TV Addons ins Visier genommen. Der größte Erfolg dieser Befragung des Verantwortlichen Adam Lackman durch Anwälte hat jedoch bestenfalls eine abschreckende Wirkung. 

Kodi legal nutzen

Der Erfolg rechtlicher Schritte wird jedoch aufgrund der komplexen Problematik begrenzt bleiben. Es gilt immer noch, legale Angebote so attraktiv und einfach zu gestalten, dass die Hürden für Nutzer gering sind. Zum Beispiel, indem sie einfacher nutzbar sind. Auch innerhalb von Kodi. Dazu müssen sich jedoch beide Seiten bewegen: Es fehlt einerseits an einem DRM im Programm und andererseits die Unterstützung durch die Branche. 

Nichtsdestotrotz bleibt Kodi ein vielseitiges Programm, dessen Einsatz grundsätzlich legal bleibt. Man muss es nur richtig nutzen. Tipps für den Einsatz findet ihr in folgenden Beiträgen:

[Anleitung] Kodi: So ändert ihr die Skins

[Anleitung] Kodi: So installiert ihr Add Ons

[Anleitung] So guckt ihr DVDs über Kodi Mediencenter


Quelle: Wired.com

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Nutze Kodi legal und gerne auf meinem Android TV. Läuft wunderbar stabil und ist gerade für TV wunderbar. Komplett übersichtlich, und gut strukturiert. Komplett skalierbar. Einfach perfekt. Im Moment version 17.5.

Matthias Bauer
Gast
Matthias Bauer

Ich verstehe den ganzen Aufruhr um KODI nicht. Niemand hat sich jemals über Mozilla Firefox oder den VLC Player aufgeregt, weil man damit urheberrechtlich geschütztes Material streamen/konsumieren kann.

KODI ist doch auch nichts anderes als ein MediaPlayer/Webbrowser den man mit der Fernbedienung steuern kann, trotzdem wird es zum schwarzen Schaf gemacht. Niemand hat bei Mozilla Firefox oder Windows Media Player jemals eine DRM gefordert.

Michael
Gast
Michael

Wmp ist Windows only und kann DRM Inhalte entschlüsseln. Firefox unter Windows und mac auch.

Kodi ist nur ein Programm. Es wird aber von einigen dubiosen Hardware Herstellern auf deren boxen installiert und die Möglichkeit illegale streams zu nutzen gleich mit. Da ist das Problem!

Das Problem ist also eher der Ruf von kodi der immer weiter schaden nimmt.

Gast
Gast
Gast

Ich hab da mal ne Frage… Wenn ich z.B. 7tv über Kodi nutzen würde, wäre das auch illegal? Oder ist das in Ordnung?

Mit freundlichen Grüßen 🙂

Andreas
Gast
Andreas

Einige Ergänzungen. Seite Kodi17 ist DRM möglich,damit ist eine große Hürde geschlafft worden. Da dies momentan unter Windows und Linux über eine ChromeLibrary möglich ist, ist dies nur mit eingriff des Users von Hand möglich. Es gibt aber bereits Amazon,Sky,7TV,Magine,TVnow, Netflix(Für Kodi18). Und Viele Mehr Plugin die dieses Nutzen.Da es von Kodi dieses Thema schwierig ist gibt es diese nicht im offziellen Repo. Zweites Thema den Zwiespalt den Kodi mit dem Thema hat zeigt der Aufruhr der Letzter Zeit um das Plugin Caretaker gab (Google Suche Cartaker Kodi) . Ein Plugin das User auf Illegale Addons und Repos Hinweißt. wurde… Weiterlesen »