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Google gegen das WP Hub

In Kafkas Romanfragment „Der Prozess“ wird der Protagonist Josef K. eines morgens verhaftet. Er ist sich keiner Schuld bewusst und ihm wird auch nicht mitgeteilt gegen welches Gesetz er verstoßen haben soll. Zu einem förmlichen Prozess kommt es nie. Nach einem langen und bizzarren Kampf mit den Institutionen des übermächtigen und ungreifbaren Gerichtes, fügt sich Josef K. seinem unvermeidlichen Todesurteil. Schließlich wird er von zwei Männern abgeführt und „wie ein Hund“ erstochen.

Eine ähnlich kafkaeske Erfahrung machen wir gerade im Windows Phone Hub. Unser Google AdSense Konto, über das wir die Bannerwerbung auf unserem Blog schalten, wurde plötzlich von Google deaktiviert. Das bedeutet, dass unser bisher verdientes Geld quasi beschlagnahmt und die einzige Einnahmequelle unserer Seite trockengelegt wurde. Warum? Weil Google eine „ungültige Aktivität“ festgestellt haben will. Welche? Das wissen wir nicht. Google teilt nur mit:

„Leider können wir Ihnen nur beschränkt Informationen zu Ihrem Verstoß gegen die Richtlinien mitteilen. Möglicherweise wünschen Sie weitere Informationen über Ihre Kontoaktivitäten. Zum Schutz unserer firmeneigenen Erkennungssysteme können wir jedoch keine weiteren Angaben in dieser Hinsicht machen.“

Wie die Hauptfigur in Kafka’s Roman werden wir also nie erfahren was man uns vorwirft und haben doch keine andere Wahl als uns dem Urteil einer höheren Macht zu fügen. Es bleibt zwar die Möglichkeit Einspruch einzulegen – was wir auch getan haben – aber das ist schwierig, wenn man nicht weiß gegen welchen Vorwurf man sich zur Wehr setzen soll. Google stellt sich das folgendermaßen vor:

„Stellen Sie in Ihrem Einspruch eine vollständige Analyse Ihrer Zugriffe und aller anderen Gründe bereit, die möglicherweise zu ungültigen Aktivitäten geführt haben. […] Wir werden den Einspruch prüfen und Sie über die weiteren Schritte informieren.“

Mit anderen Worten: wir sollen uns selbst überlegen, warum Google geglaubt haben könne, das gegen seine Richtlinien verstoßen wurde. Hat vielleicht wirklich jemand zu oft auf ein Banner geklickt, oder die Seite zu häufig aktualisiert? Wurde vielleicht ein kurzzeitiger Layout-Fehler, bei dem das Vorschaubild auf der mobilen Seite teilweise von einem Werbebanner überdeckt war, als Manipulationsverdacht gewertet? Wir werden es nie erfahren, für uns Sterbliche bleiben Google’s Wege unergründlich.

Einen Online-Dienst wie AdSense gegen Missbrauch zu schützen ist wichtig und richtig. Aber die Willkür und Intransparenz mit der Google hier vorgeht ist doch erschreckend. Und ihre offensichtliche Geringschätzung gegenüber den Leuten, die Inhalte kreieren und damit erst wertvolle Werbeflächen im digitalen Raum schaffen, ist mehr als unverschämt.

Der Internetgigant kann sich das erlauben, weil er im Bereich der Internetwerbung kaum ernsthafte Konkurrenz hat. Yahoo und Bing bieten zwar seit kurzem eine Alternative zu AdSense, aber wie weit die sich durchsetzt und wann sie für den deutschsprachigen Raum verfügbar ist, bleibt abzuwarten.

Nun ist unsere Seite noch relativ klein und relativ neu. Auf unserem AdSense Konto war noch nicht viel Geld und unsere monatlichen Kosten sind überschaubar. Der finanzielle Schaden – sollte sich die Sache nicht aufklären – hält sich in Grenzen. Aber andere Blogs und andere Blogger sind von den Einnahmen durch Bannerwerbung abhängig. Wenn Google den Geldhahn zudreht – und sei es auch nur für ein paar Tage – kann das ihre finanzielle Existenz bedrohen. Die Marktmacht von Google wird spätens dann zum Problem, wenn die freie Rede im Internet von der Willkür dieses multinationalen Konzerns abhängig ist, der scheinbar niemandem mehr Rechenschaft schuldig ist.

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Königsstein

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DeathMetal
Gast

Nun hat es euch also auch getroffen? Sehr bedauerlich. Ich hoffe, es klärt sich bald.

Derartige Fälle habe ich bereits mehrfach bei Blogs und Youtubern miterlebt. Von heute auf morgen war AdSense dicht, alle Konten gesperrt und nicht einmal der Hauch einer Erklärung.

Ich persönlich hab daher von Anfang an auf Google Analytics, AdSense und Co verzichtet und suche nach alternativen Einnahmewege. Einfach ist das aber nicht …