EditorialExclusives

Exkurs: Telefónica-Verkauf in Deutschland im Detail

Von Viag Interkom über O2 zu Telefónica Deutschland

Das Unternehmen hinter der Mobilfunknetzkennung 262-07 hatte schon viele Namen. Heute hat das Netz im Zuge der Konsolidierung die alte Netzkennung E-Plus: 262-03.

Zu Beginn ging es als Viag Interkom an den Start, welches 1995 gegründet und 1997 eine E-GSM-Frequenz zum Aufbau eines Mobilfunknetzes der 2. Generation zugesprochen bekam. Die damaligen Konkurrenten waren die Deutsche Telekom, Mannesmann D2 (später Vodafone) und E-Plus, welche mit Telefónica 2014 fusionierte. Später wurde Viag Interkom in O2 Deutschland umbenannt, um den Markenauftritt von British Telecommunications, denen 45 % an Viag Interkom gehörten, europaweit auf O2 zu harmonisieren.

2005 wurden dann alle O2-Töchter von der spanischen Telefónica aufgekauft, wodurch sich BT aus dem Mobilfunksektor zurückzog und auch O2 Deutschland in spanische Hände fiel. Über die Jahre waren vor allem die beiden E-Netz-Betreiber,  E-Plus und O2,  Innovationsführer im deutschen Mobilfunkmarkt. So kamen beispielsweise die erste richtige Flatrate, die Homezone mit eigener Festnetznummer oder die ersten 9ct-Tarife alle aus der Feder dieser Unternehmen.

Allerdings fehlte auch von Jahr zu Jahr mehr Geld um im Netzausbau mit den beiden großen Konkurrenten mithalten zu können, sodass vor allem mit dem Aufkommen der Smartphones die Netze so langsam an ihre Belastungsgrenze kamen. Um Telekom und Vodafone etwas entgegensetzen zu können fusionierten die beiden Unternehmen, wodurch der nach Kundenzahlen größte Mobilfunkanbieter in Deutschland entstand. Die damals noch getrennten Netze wurden erst durch National Roaming, dann durch die Konsolidierung nach und nach zusammengeschaltet. Dieser Vorgang ist auch heute noch voll im Gange und bringt gebietsweise Verbesserungen, aber auch Verschlechterungen bis hin zu neuen Funklöchern in Gebieten, aus denen sich Telefónica ganz zurückgezogen hat.

Das Netz und Zahlen

Während sich Deutsche Telekom und Vodafone immer mehr auf den LTE-Ausbau konzentrierten und zum heutigen Tage im Falle der Telekom auf 94% Bevölkerungsabdeckung kommen, war Telefónica mit der Netzkonsolidierung beschäftigt sodass das Netz in den unabhängigen Netztests von Chip Online oder Connect immer mehr ins Hintertreffen geriet. Im aktuellen Netztest belegt Telefónica Deutschland mit Abstand den letzten Platz im gesamten deutschsprachigen Raum; also Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gleichzeitig kommt durch den Sparkurs aus Spanien, die sehr geringen Preise durch MVNOs wie Drillisch und die hohen Datenvolumina der Kunden nicht genügend Geld in die Kassen, um das Netz im selben Tempo wie die Konkurrenz auszubauen. Das sieht man vor allem an der ARPU, also das, was ein Telefónica-Kunde durchschnittlich monatlich bezahlt. Diese lag nämlich im 3. Quartal 2017 bei lediglich bei 5 € für Prepaid-Kunden und 15,50 € für Postpaid-Kunden, was im Schnitt 9,60 € macht. Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom kommt bei Prepaid-Kunden auf 3 € und bei Postpaid-Kunden auf 21 €, was im Schnitt 14 € pro Kunde ergibt.

Aktuell sehen die Quartalszahlen für Telefónica Deutschland nicht so gut aus. Im letzten Quartal verlor das Unternehmen 381 Millionen Euro. Der Firmenwert beträgt aktuell 11,61 Milliarden Euro, könnte also durchaus verlockend für einen Markteinstieg in den deutschen Mobilfunkmarkt für andere Unternehmen sein. Und genau damit sind wir bei den aktuellen Gerüchten angelangt: Es wird vor allem von der Wirtschaftswoche spekuliert, dass die spanische Muttergesellschaft aktuell auf der Suche nach einem Käufer für die deutsche Tochter ist. Telefónica SA besitzt aktuell etwa 69 Prozent der Aktien. Welche Unternehmen eventuell Interesse an Telefónica Deutschland haben könnten, steht noch aus. Es wird aber spekuliert, dass auch Finanzinvestoren ein mögliches Interesse hätten. Fakt ist, damit das Münchener Unternehmen weiterhin und vor allem in Zeiten von 5G ein konkurrenzfähiges Netz betreiben kann, muss sehr viel Geld in die Hand genommen werden.


Quellen: Wirtschaftswoche, Statista, Wikipedia

Vorheriger Artikel

Deutsche Telekom muss 30.000 VDSL-Kunden in Niedersachsen kündigen

Nächster Artikel

Whatsapp Nachricht beim Empfänger löschen: Zeitlimit wird hochgesetzt

Der Autor

Tomás Freres

Tomás Freres

Hinterlasse einen Kommentar

10 Kommentare auf "Exkurs: Telefónica-Verkauf in Deutschland im Detail"

avatar
  Diskussion abonnieren  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
gast
Mitglied

😉👍🏼
Ich hoffe allerdings nicht, dass es zu einem Verkauf an einen Nicht-Mobilfunknetzbetreiber kommt.

nokiaexperte
Mitglied

Ihr verwechselt das. Die alte Netzkennung von E-Plus war 262-03 und wird heute im Zuge der Netzmigration von Telefónica genutzt. 262-07 war die alte von VIAG etc. und wurde eben im Zuge der Netzmigration abgeschafft.

gast
Mitglied

Hast recht. Irgendeine Pfeife gab dir trotzdem Minus. Habe ich gerade mal ausgeglichen. 😉

W10MNutzer
Mitglied

Wie kommt ihr auf die Durchschnittspreise? 5+15,5=20,5, daraus der Durchschniit ist 10,25 und nicht 9,6. Das gleiche bei dem zweiten Durchschnitt 21+3=24/2=12.

xiRunneRx
Mitglied

Die prozentuale Verteilung ist unterschiedlich daher die Abweichungen.

Matthias
Mitglied

Fu** …. Bin langjähriger Kunde. Mir war natürlich klar, dass die Netzabdeckung nie so gut war wie bei Telekom oder Vodafone. Und der Kundenservice hat ja offenbar auch sehr an Qualität verloren. Aber dass es so heftig ist, dass sie drohen den Anschluss zu verlieren, war mir nicht klar…

gast
Mitglied

Naja, das zusammengeschlossene Netz ist schon OK. Hier in der Region Stuttgart kann ich nicht klagen. Wenn es mal ganz schlimm werden sollte wechsle ich eben zu meinem Festnatzanbieter Vodafone und nehme noch Komivorteile mit. Ich war klug genug einen Tarif mit nur monatlicher Laufzeit abzuschließen und komme jederzeit raus. Aus eigener Erfahung als langjähriger Vodafone-Netzkunde bei diversen Discountern muss ich allerdings auch mal klar pro Telefonica festhalten; Telefonica mit LTE > Vodafone ohne LTE. Das gilt heute noch.