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Windows 10 S vs. Chrome OS (Chromebook) – Der Test

Nachdem verschiedene OEMs vor zwei Wochen die ersten Windows 10 S-Ger√§te im Budgetsegment auf den Markt gebracht haben, konnten wir euch vergangene Woche unseren Test des Lenovo IdeaPad 120S pr√§sentieren. Das Lenovo ist mit ‚ā¨179 das g√ľnstigste Windows 10 S (Sub-)Notebook und wir waren sehr positiv von der Hardware des Einstiegs-Laptops √ľberrascht.

Microsoft zufolge ist Windows 10 S speziell f√ľr den Bildungssektor geschaffen worden. Es funktionieren ausschlie√ülich Apps aus dem Microsoft Store, was eine hohe Sicherheit und gleichbleibende Geschwindigkeit des Systems gew√§hrleisten soll.

Da Google mit seinen Chromebooks und dem Betriebssystem Chrome OS ebenfalls auf den Bildungssektor abzielt, bot sich ein Vergleichs-Test zwischen den beiden Plattformen an.

Nachfolgend vergleiche ich das Lenovo IdeaPad 120S und das J4 Chromebook des spanischen Herstellers CTL. Beide liegen ungefähr im gleichen Preissegment.

Windows 10 S vs. Chrome OS – Gemeinsamkeiten

 

Der Anmeldebildschirm Chrome OS

 

Windows 10 S kann keine Programme ausserhalb des Microsoft Stores installieren. Das beschränkt sich nicht nur auf Win32-Applikationen (also klassische .exe Anwendungen), sondern auch auf Appx-Pakete, die ausserhalb des Stores heruntergeladen werden (sideloading ist also nicht möglich). Entwickler werden deshalb ermutigt, klassische Desktop-Programme mittels des Desktop-Konverters (Project Centennial), in den Store zu bringen, wo sie dann auch von Windows 10 S Nutzern heruntergeladen werden können.

Die Beschr√§nkung auf den Store hat viele Sicherheitsvorteile. Nutzer sind gegen die allermeisten Viren, Ransomware, AdWare und vielen anderen Gefahren des Webs gesch√ľtzt.

Chrome OS kann naturgem√§√ü nur auf Apps zugreifen. Es handelt sich um ein Derivat des Android Betriebssytems f√ľr Mobilger√§te, das f√ľr die Arbeit mit Maus und Tastatur angepasst worden ist, um auch f√ľr Desktopanwender attraktiv zu sein.

In der Vergangenheit konnte Chrome OS nur Apps aus dem Webstore von Google laden. Nun gibt es f√ľr viele Chromebooks auch Zugang zum Google Play Store und damit Zugriff auf bis zu 1,5 Mio. Apps.

Auch wenn der Play Store einen relativ schlechten Ruf genie√üt, was die Sicherheit angeht, ist dieser zu weiten Teilen unberechtigt. Apps laufen auch unter Chrome OS (und Android) in einer Sandbox, einer geschlossenen Umgebung also. Damit haben Viren keinen Zugang zu tieferen Systemebenen, was diese Apps sicherer macht als normale .exe-Anwendungen f√ľr den PC.

Sowohl Windows 10 S und Chrome OS nutzen also ausschließlich Apps zur Bedienung.

Windows 10 S vs. Chrome OS – Unterschiede

Windows 10 S und Chrome OS haben grundverschiedene Wurzeln. Windows 10 S ist in Sachen Bedienung und Optik, ein identischer Klon von Windows 10 Pro. Im Grunde handelt es sich sogar um Windows 10 Pro, das softwareseitig die Nutzung von Nicht-Store-Apps verhindert. Es ist also von grundauf f√ľr die Nutzung von Maus und Tastatur ausgelegt, beherrscht Multi-Tasking, besitzt einen sehr ausgereiften Datei-Manager, etc.

Chrome OS hingegen, ist ein auf Desktop-Dimensionen ausgeweitetes, mobiles Betriebssystem. Im Zentrum steht der Chrome Browser und auch wenn Anwendungen auch Offline nutzbar sind (Office z.B.), f√ľhlt sich Chrome OS doch am wohlsten, wenn es mit dem Internet verbunden ist.

Langj√§hrige Windows Nutzer m√ľssen sich bei Windows 10 S √ľberhaupt nicht umgew√∂hnen, was die Bedienung angeht. Windows Umsteiger, die das Chrome OS nutzen, m√ľssen allerdings einige Dinge beachten.

Chrome OS – Symbol-Gitter

Chrome OS besitzt zwar einen Desktop mit Hintergrundbild, Taskleiste und verschiedenen Symbolen. Im Gegensatz zu Windows, werden App-Symbole allerdings nicht als Verkn√ľpfung an einem Gitter ausgerichtet. Stattdessen kann man seine meistgenutzten Apps in der Taskleiste anordnen.

Da ich das seit Jahren auch auf Windows so mache, ist es f√ľr mich nichts neues. Windows Nutzer k√∂nnten es allerdings als Platzverschwendung ansehen, wenn sie Programmverkn√ľpfungen nicht mehr auf dem ganzen Desktop verteilen k√∂nnen.

Chrome OS – Multitasking & Datei-Manager

Ja, Multitasking funktioniert auf Chrome OS. Nutzer k√∂nnen mehrere Apps gleichzeitig ge√∂ffnet haben und Programme im Fenstermodus nutzen. Allerdings sind nicht alle Apps aus dem Play Store f√ľr den Fenstermodus optimiert. Sie sehen dann wie auf einem Handybildschirm aus (Portr√§tansicht), genau so wie wenn man eine nicht optimierte App √ľber Samsung DeX oder den Desktopmodus des Huawei Mate Pro startet.

Viele Programme, die K√§ufer eines Chromebooks nutzen werden, sind allerdings bereits optimiert. So funktionieren s√§mtliche Google Dienste einwandfrei, Microsoft Office ebenfalls. Damit w√§ren die allerwichtigsten Programme, also Browser, Schreibdienste und Mail, abgedeckt. S√§mtliche Anwendungen aus dem Webstore von Chrome OS sind nat√ľrlich ebenfalls angepasst. Entwickler arbeiten bereits an den Anpassungen der Apps. Netflix unterst√ľtzt zum Beispiel schon Chrome OS.

Das Multitasking f√ľhlt sich auf Windows 10 S deutlich ausgereifter an. Man merkt dem Chrome OS noch an, dass es stark auf die Nutzung des Browsers ausgelegt ist, der ja Multitasking durch verschiedene Tabs betreibt. Eine √§hnliche Herangehensweise m√∂chte Microsoft ja nun auch mit den k√ľrzlich vorgestellten App-“Sets” einf√ľhren.

Der Datei-Manager von Chrome OS ist sehr “Mobile”-lastig und entsprechend simpel. Nach kurzer Eingew√∂hnung findet man sich auch hier zurecht. Der Datei-Manager ist gegen√ľber Windows 10 S aber rudiment√§r, was nat√ľrlich daran liegt, dass man Dateien auf einem Mobilger√§t selten tiefer bearbeitet oder archiviert. Meist liegen Dateien auf einem Smartphone und man versendet diese entweder meist √ľber einen Schnellzugriff.

Es gibt im Chrome OS Store einige andere Datei-Manager, die ein etwas komplexeres Handling ermöglichen, aber auch diese sind Windows 10 S unterlegen.

Windows 10 S und Chrome OS – Gegen√ľberstellung

Der Desktop des Chrome OS

Meiner Meinung nach leidet Windows 10 S an einer Identitätskrise, weswegen es nur oberflächliche Gemeinsamkeiten mit Chrome OS teilt.

Windows 10 S soll ein besonders schlanker und sicherer Spin-Off von Windows 10 sein. was die Schlankheit anbelangt, k√∂nnen wir dies nicht best√§tigen. Die Einrichtung meines Lenovo IdeaPad 120S hat ca. 45 Minuten gedauert. Die Einrichtung des Chromebooks von CTL (spanischer Hersteller), dauerte ca. 2 Minuten. Die Systemupdates laufen bei Chrome OS blitzschnell durch – bei Windows 10 S habe ich immer das Gef√ľhl, es wird bei jedem gr√∂√üeren Update das gesamte System neu installiert.

Apps werden an der Taskleiste ausgerichtet

Chrome OS ist immer sofort einsatzbereit, wenn ich den Laptop aufklappe Рauch bei schwacher Hardware. Das Lenovo IdeaPad gönnt sich leider öfter mal eine Gedenkminute, bevor es aus dem Schlaf erwacht.

Die Akkulaufzeit beider Systeme ist bei ähnlichen Specs, etwa gleich gut. Bei Windows 10 S bemerke ich aber desöfteren Akkuverbrauchs-Spitzen, die ich mir nicht erklären kann. Das Chromebook von CTL hält immer sehr konstant an die 7-8 Stunden durch.

Fazit

Die Chromebooks sind perfekt an ihre jeweilige Zielgruppe, Sch√ľler (und bis zum gewissen Grad Studenten), angepasst. Sie sind auf g√ľnstiger Hardware verdammt schnell und aufs wesentliche reduziert. Es gibt keine nervigen Updates, die Stunden dauern, die Einrichtung dauert zwei Minuten und mit einem Google-Konto ist alles blitzschnell synchronisert und Einsatzbereit. Der Google Play Store hat durch seine 1,5 Mio. Apps sehr viel zu bieten, auch wenn hier noch viele Programme Anpassungen ben√∂tigen, um optimal auf dem Desktop zu laufen.

Windows 10 S bietet fast das gleiche Nutzungserlebnis wie Windows 10 Pro – und das ist das Problem.

Ein Chromebook w√ľrde ich niemals einem Kunden empfehlen, der mit seinem Ger√§t viel Multitasking betreiben muss, eine ausgereifte Ordnerstruktur braucht oder, nat√ľrlich, Photoshop und andere Win32-Anwendungen ben√∂tigt. Windows 10 S w√ľrde ich diesem Kunden aber auch nicht empfehlen, sondern Windows 10 Pro.

Windows 10 S ist in seiner jetzigen Form ein Windows 10 Pro mit einer gewaltigen Win32-Appl√ľcke. Es ist weder flinker oder vielseitiger als das “echte” Windows – im Gegenteil.

Das Betriebssystem ist ein “Work in Progress”. Wenn wichtige Entwickler ihre Win32-Programme in den Microsoft Store portiert haben, ist es aus Sicherheitsgr√ľnden die bessere Alternative zu Windows 10 Pro.

Wenn ihr allerdings nur Browser und Apps nutzen wollt, ist das Chromebook eindeutig die bessere Wahl. Ausser nat√ľrlich, ihr wollt nichts mit Google zu tun haben.

Ich w√ľnsche mir sehnlichst eine wahre Windows-Alternative zu Chrome-OS. Eine flinke und unkomplizierte Version des Betriebssystems, das f√ľr 90% der Bev√∂lkerung absolut ausreichen w√ľrde. Momentan gibt es absolut kein Argument f√ľr den Kauf eines Windows 10 S-Ger√§tes – die Hardware ist nicht einmal signifikant g√ľnstiger als jene mit Windows 10.

PS: Nach einem Gespräch mit dem Support von Microsoft, ist die Windows 10 S-Version meines Lenovo IdeaPad 120S endlich aktiviert.

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Der Autor

Leonard Klint

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"Change has to flow from the bottom to the top." - Ed Snowden

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36 Kommentare auf "Windows 10 S vs. Chrome OS (Chromebook) – Der Test"

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