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[Kommentar] Hat Microsoft eine mobile (Hardware-)Präsenz nötig?

Microsoft gerät mit seiner Community häufig aneinander. Nicht selten rühren diese Konflikte daher, dass Microsoft und seine Fans grundverschiedene Ansichten darüber haben, wo die Prioritäten des Unternehmens liegen sollten. Das klassische Beispiel: Mobile. Die Fans beschweren sich seit Jahren und fordern ein klares Bekenntnis zur mobilen Sparte. Die Redmonder hingegen wickelten Nokia ab, stampften die eigene mobile Hardware ein und haben Windows 10 Mobile seitdem auf Wartungsmodus gestellt.

Die Quartalszahlen zeigen: Für Microsofts finanzielle Gesundheit macht es keinen Unterschied ob es eine mobile Präsenz gibt oder nicht. Dennoch macht seit Jahren das Gerücht um das sagenumwobene “Surface Phone” die Runde und Microsoft betont bei jeder Gelegenheit, dass man mit einem kategoriedefinierenden Gerät zurückkehren würde, das zwar mobil, aber kein Smartphone sei.

Nun könnte dem geneigten Leser folgende Frage in den Sinn kommen: Wenn Microsoft finanziell so gar nicht von seiner mobilen Präsenz abhängig ist, wieso sollten die Redmonder überhaupt einen neuen Einstieg riskieren?

Reicht es nicht, wie so viele Microsoft Hardliner behaupten, mit den Diensten (Office) auf allen Plattformen vertreten zu sein?

Kurz gesagt lautet die Antwort auf diese Fragen: Es geht schon lange nicht nur um Mobile. Die längere Fassung…

Das Schicksal von Windows steht auf dem Spiel

Einige mögen eine Stärke darin sehen, dass Microsofts finanzielle Situation scheinbar gar nicht vom Niedergang seiner mobilen Sparte abhängig ist. Dem ist leider nicht so.

Mit dem Rückzug aus dem mobilen Markt, riskiert Microsoft die Bedeutungslosigkeit seines Windows Betriebssystems auf allen Systemen. Der PC-Markt stagniert schon seit vielen Jahren und auch die “2 in 1”-Bewegung hat den Verfall nicht gänzlich abfedern können.

Windows 10 befindet sich zwar auf rund einer halben Milliarde PCs, diese Zahl ist aber geradezu winzig im Vergleich zu den 2 Milliarden aktiven Android Geräten auf der Welt.

Es stimmt: Die Dienste der Redmonder sind auch auf iOS und Android vertreten und qualitativ hervorragend. Die Integration der Bordmittel für Android (z.B. Google Docs, Drive, etc.) geht jedoch viel weiter als die von Drittanbietersoftware wie Office. Zumal diese ja zunächst installiert werden muss und die meisten Millenials (also Menschen, die zur Jahrtausendwende geboren wurden) keine so enge Verbindung dazu haben, wie noch deren Elterngeneration. Junge Erwachsene haben kein Problem damit Googles Dienste zu verwenden.

Die Aussage, dass diese “Kiddies” die “Office”-Knute spätestens im Arbeitsalltag zu spüren bekämen, halte ich für kurzsichtig. Die Bedeutung von Microsoft im Businessbereich, wird durch die starren Strukturen großer Unternehmen begünstigt, doch der Druck, der von den Präferenzen der Endverbraucher ausgeht, steigt.

Surface Phone: Ich muss mal schnell die Welt retten

Die Bindung die Nutzer an ihr Smartphone verspüren ist zum Einen stärker als zum PC (da immer und überall in der Hosentasche). Zum Anderen sind die Zyklen von Smartphones viel kürzer, da die häufig gekoppelten Mobilfunkverträge jede zwei Jahre erneuert werden. Smartphones sind also ein sehr viel stärkerer Katalysator, um Mindshare (für bestimmte Dienste oder Firmen) aufzubauen.

Und nun steht Microsoft da, ohne Smartphonepräsenz und mit stagnierenden Zahlen bei den PC-Verkäufen. Die OEM-Partner werden unruhig, denn diese “Söldner” interessiert nur eines: Profit – mit oder ohne Windows.

Das ist der Hauptgrund für die Surface-Reihe: Microsoft muss irgendwie den Markt stimulieren, um die PC-Verkäufe durch neue Bedienkonzepte, aufregende Designs und kreative Synergien mit seinem Windows Betriebssystem, anzukurbeln. Hersteller wie HP, DELL, Lenovo, etc., würden nicht mal mit der Wimper zucken, würden sie sich von Geräten mit Chrome OS bessere Absätze versprechen.

Und so arbeitet Microsoft an einem neuen, kategoriedefinierendem Gerät. Einem sehr mobilen Gerät, einem Produkt, dass dem PC-Markt neues Leben einhauchen kann und OEM Partner großflächig dazu animiert, Windows weiter zu unterstützen.

Von diesem Neustart wird sehr viel mehr abhängen, als nur im mobilen Markt mitzumischen. Microsoft wird hier eine essentielle Karte im Spiel um Windows ausspielen.


Dies ist ein Meinungsartikel. Die Meinung des Autors spiegelt nicht notwendigerweise die Ansichten von WindowsUnited oder anderer Mitarbeiter wider. 

 

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Leonard Klint

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