News

BAMF Spracherkennung: Asylbewerber sollen anhand des Dialekts zugeordnet werden

Es ist ein altbekanntes Problem bei Asylbewerberverfahren: Die Herkunft der Antragsteller kann nicht festgestellt werden, da keine Ausweispapiere vorliegen – laut Bundesamt f├╝r Migration und Fl├╝chtlinge (BAMF) betrifft das etwa 60% der Menschen, die hierzulande Asyl suchen. Das Amt kann dadurch nicht feststellen, ob die Person aus einem sicheren Herkunftsland kommt oder tats├Ąchlich aus einem Kriegsgebiet gefl├╝chtet ist. Eine┬áEntscheidung ├╝ber den Antrag kann nicht gef├Ąllt werden und der Asylant bleibt in einer b├╝rokratischen Dauerschleife in Deutschland.

Sprachprogramm soll helfen Herkunft festzustellen

Nun will das BAMF ein neues Verfahren testen, das die Herkunft der Antragsteller anhand ihres Dialekts erkennt (syrisches arabisch klingt anders als maghrebinisches). Innerhalb der n├Ąchsten zwei Wochen sollen die Tests daf├╝r starten. Julian Detzel, Referent┬áder IT-Abteilung des BAMF, rechnet allerdings nicht vor 2018 mit einem offiziellen Einsatz des Verfahrens.

Mehrere Experten zeigen sich skeptisch, was die Zuverl├Ąssigkeit eines solchen Programms angeht.┬áEs wird leider nicht erw├Ąhnt welche Software zum Einsatz kommen soll, Programme wie Cortana, Alexa und Google Voice haben allerdings Erkennungsraten von bis zu 95%. Microsoft hat mit dem Simultan├╝bersetzer f├╝r Skype au├čerdem bereits Erfahrung in der Verarbeitung und Analyse verschiedener Sprachen unter realen Bedingungen.

Trotzdem teile ich die Bef├╝rchtungen einiger Experten. Ich bin kein Jurist, es erscheint mir aber recht angreifbar, die Herkunft eines Menschen anhand seines Dialekts festzustellen – vor allem wenn sich daraus Konsequenzen wie Abschiebung f├╝r die Person ergeben.┬áDas BAMF hebt hervor, dass die Analyse der Sprache nur einen Indikator bei der Feststellung der Herkunft darstellen w├╝rde – dar├╝berhinaus g├Ąbe es noch andere.

Interessant ist, dass maschinelles Lernen und Spracherkennung nun langsam auch in Bereiche dringt, die sich meist gegen technologische Neuerungen str├Ąuben.

Was haltet ihr davon? Sollte das BAMF eine Spracherkennungssoftware nutzen, um sie bei der Feststellung der Herkunft von Asylbewerbern zu unterst├╝tzen?


Quelle

Vorheriger Artikel

[CH-Deal] Surface Pro 4 mit i7-Prozessor, 8GB RAM und 256GB SSD f├╝r CHF 1'199.-

N├Ąchster Artikel

Microsoft spielt der Konkurrenz wieder in die H├Ąnde

Hinterlasse einen Kommentar

9 Kommentare auf "BAMF Spracherkennung: Asylbewerber sollen anhand des Dialekts zugeordnet werden"

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | ├Ąlteste | beste Bewertung
bremerjung85
Mitglied

Generell nutzen sollten sie solche Software solange sie einen gewissen erkennungswert hat, bei 10% macht es keinen Sinn, bei 70% ja, ABER, nicht als alleinige Ma├čnahme, sondern nur zur ersten Erkennung um schneller ans Ziel zu kommen, weitere reale Recherchen sollten dringend beibehalten werden!

Scaver
Mitglied

Als Hinweis, in welche Richtung man dann suchen/ermitteln soll. Als alleine Grundlage f├╝r eine Abschiebung sicherlich schon alleine rechtlich unzureichend.

ZimmerJ
Mitglied

Prinzipiell erkennt die Software ja nur, welchen Dialekt man von seinen Eltern gelehrt bekam. Mich als K├Âlner w├╝rde diese Software also im Saarland positionieren? Meine hier in Deutschland geborenen t├╝rkischen Freunde in Istanbul? Das mag maximal funktionieren f├╝r eine Best├Ątigung der Aussage an einem bestimmten Orr aufgewachsen zu sein und diesen nie verlassen zu haben, alles dar├╝ber hinaus w├Ąre def. juristisch sehr strittig.

nokiot
Mitglied

Als Hinweis und Richtungsgeber ok. F├╝r alles andere kann und wird es nicht benutzt werden. Ohne klare Beweislage bez├╝glich Staatsangeh├Ârigkeit wird kein Land jemanden zur├╝cknehmen. Da liegt der Hund h├Ąufig begraben.

Cloud_Connected
Gast

Und wer sind diese anonymen „Experten“? Sind es zuf├Ąlligerweise diejenigen, die nicht mehr lukrative Auftr├Ąge des BAMF zur Bestimmung der Herkunft von Menschen durch Sprachanalysen bekommen? Ich sage nicht, dass die hier pr├Ąsentierte Methode perfekt ist; allerdings ist sie ein guter Ansatz um die Verfahren effizienter abzuwickeln…

superuser123
Mitglied

Das bringt wenig, wenn die Abschiebung krimineller Imigranten, von den Gr├╝nen im Bundesrat, blockiert wird.
http://www.n-tv.de/politik/Bundesrat-lehnt-Maghreb-Gesetz-ab-article19739840.html

Michel158
Mitglied

Es wird gar nichts bringen: Wer sich mit Sprachen ein wenig besch├Ąftigt, kann so ein Verfahren nicht f├╝r gut halten. Wie erw├Ąhnt: Heimatdialekt ist nicht immer gleich der Herkunft. W├╝rde es kompetente Dolmetscher geben, k├Ânnten sie das sicherer/ besser entscheiden und man sparte die Investitionen in die Technik. Abgesehen davon sollten die sog. Entscheider schon jetzt ein sicheres H├Ąndchen haben.

ExMicrosoftie
WU Team
Die Investitionen sind enorm. Es ist aber fraglich, ob das Geld nicht sinnvoller und pragmatischer z.B. in einen EU-Ausweis (wie unser Perso) f├╝r Fl├╝chtlinge investiert werden sollte. Der Ausweis m├╝sste neben den Fingerabdr├╝cken auch das angegebene/nachgewiesene Alter, Name und Herkunftsort und die Namen der n├Ąchsten Verwandten enthalten, und kann ohne Probleme bei Vorlage entsprechender Unterlagen verifiziert (nicht mehr ÔÇ×angegebenÔÇť, sondern ÔÇ×nachgewiesenÔÇť) werden. Das w├╝rde Familienzusammenf├╝hrungen, auch von unbegleiteten Minderj├Ąhrigen erleichtern. Auch wenn hier manche falsche Angaben machen w├╝rden, unterm Strich w├Ąren aber Einsparungen durch nicht mehr m├Âgliche Mehrfachanmeldungen zu erwarten und h├Ątte langfristig gro├če b├╝rokratische Erleichterungen zur Folge. Ein solcher… Weiterlesen ┬╗
remawoba
Mitglied

Ja sehrgut, sofort einsetzen. Auf jeden Fall h├Ątten die Analysten bei der Zuordnungssuche ein weiteres Werkzeug in der Hand, um beim ganzen Pers├Ânlichkeits-Puzzle ein schnelleres und verwertbares Ergebnis zu erzielen.

wpDiscuz