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Microsoft gewinnt die Zukunft – Warum man gerade jetzt auf Windows Phone setzen sollte

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Das war mal wieder ein genialer Schachzug von Microsoft, nicht wahr? Erst schalten sie in den USA eine Reihe frecher Werbespots, in denen sie den Leuten erkl√§ren warum Cortana besser ist als Siri. Und dann k√ľndigen sie kurzerhand Cortana als App f√ľr iOS und Android an, damit sich auch ja kein iPhone User benachteiligt f√ľhlt.

Auch die Leute, die bef√ľrchtet haben, Windows 10 auf dem Desktop k√∂nnte eine zu gro√üe Verlockung zu einem Windows Phone werden, d√ľrfen sich vorerst in Sicherheit wiegen. Microsoft liebt (nach eigenem Bekunden) alle Smartphones und wird eine Windows 10 Companion App herausbringen, um auch auf dem iPhone oder Android Phone die bestm√∂gliche Windows 10 Erfahrung zu gew√§hrleisten.

Vor Kurzem haben wir noch gelacht als jemand (ich glaube es war Paul Thurrott) halb im Scherz geschrieben hat, der Windows-Konzern sei mittlerweile plattformagnostisch. Aber wenn es um mobile Technologie geht, ist das allenfalls eine kleine √úbertreibung.

Nat√ľrlich geschieht Microsoft‚Äôs √Ėffnung gegen√ľber Android und iOS zun√§chst aus einer Position der Schw√§che heraus. Microsoft folgt dem Kunden und der ist, im mobilen Bereich, nun mal mit √ľberw√§ltigender Mehrheit nicht auf Windows Phone.

Und doch bin ich davon √ľberzeugt, dass hinter dieser Strategie nicht Verzweiflung, sondern eine klare Vision steckt, die mittelfristig zu einer Position der St√§rke f√ľhren wird. Microsoft hat unter Druck kluge Entscheidungen getroffen, die richtigen Weichen gestellt, und ist so innerhalb weniger Jahre zum vielleicht fortschrichtlichsten Technologiekonzern des Planeten geworden.

Die mobile Revolution spielt sich, grob gesagt, in mehreren Phasen ab. Zun√§chst einmal musste jemand den richtigen Formfaktor und das richtige Bedienkonzept hinbekommen, um das Smartphone √ľberhaupt als Massenprodukt zu etablieren. Diese Anfangsphase war folglich bestimmt von Hardware und Betriebssystem und wurde konsequenterweise von jener Firma gepr√§gt, die beides seit jeher als Einheit dachte. Apple hatte verstanden, dass ein Mobiltelefon nicht aussehen muss wie ein kleines Telefon und seine Benutzeroberfl√§che nicht wie ein kleiner PC. Der hervorragende Touchscreen und dazu passenden Multitouch-Gesten waren dann die eigentlichen Innovationen des ersten iPhones. Es dauerte einige Zeit, bis andere Hersteller das Produkt ‚ÄěSmartphone‚Äú genauso gut oder sogar besser hinbekommen haben. Als Nokia / Microsoft so weit waren, war es schon zu sp√§t, denn da hatte bereits die zweite Phase begonnen.

Das iPhone 1 - Initialz√ľndung f√ľr die mobile Revolution
Das iPhone 1 – Initialz√ľndung f√ľr die mobile Revolution

Die zweite Phase der mobilen Revolution, die wir zurzeit durchleben, wird zunehmend durch Software bestimmt. Smartphones werden immer mehr zu App-Launcher, die wichtigsten Features kommen mittlerweile aus dem App-Store und nicht out of the box. Auch diese √Ąra wird √ľberwiegend von Apple dominiert, aber aus anderen Gr√ľnden. Auf Hardware-Seite ist der einstige Innovationsvorsprung des iPhone-Konzerns praktisch auf Null geschrumpft, iOS ist nicht so vielseitig wie Android und nicht so sch√∂n und √ľbersichtlich wie Windows Phone, aber es hat das mit Abstand beste App-√Ėkosystem. Microsoft wird Phase 2 nicht mehr gewinnen, deshalb konzentrieren sie sich jetzt vor allem auf die beginnende Phase 3.

Die dritte Phase der mobilen Revolution ist die Vision, die Satya Nadella im Sinn hat, wenn er von cloud first, mobile first spricht oder von der ‚ÄěMobilit√§t der Erfahrung‚Äú, die die ‚ÄěMobilit√§t der Ger√§te‚Äú abl√∂sen wird. Phase 3 wird bestimmt von Services, von Cloud-Diensten, die einzelne Ger√§te, Formfaktoren und Plattformen transzendieren.

Schon heute ist es f√ľr mich selbstverst√§ndlich, dass ich von √ľberall auf meine Dokumente, Fotos und Musikdateien zugreifen kann, egal ob ich mein Smartphone, Tablet oder Laptop nutze und egal welches meiner Smartphones oder Laptops ich nutze. Es wird immer selbstverst√§ndlicher, dass mein Browser auf dem Smartphone wei√ü, welche Webseiten ich auf dem Laptop besucht habe, oder dass ich ein Game auf dem Tablet anfangen und vom entsprechenden Spielstand aus am Smartphone weiterzocken kann. Noch reden wir zwar, wie fr√ľher, von Apps f√ľr unser Smartphone, Tablet, etc. aber in Wirklichkeit verh√§lt es sich zunehmend umgekehrt: Smartphone, Tablet, Laptop, PC sind jeweils nur ein Screen, ein m√∂gliches Endger√§t f√ľr die jeweilige App.

Microsoft Chef Satya Nadella
Microsoft Chef Satya Nadella

Auch in der sich anbahnenden¬†Cloud-√Ąra konkurrieren die gro√üen Player Apple, Google und Microsoft mit ihren jeweiligen Produktivit√§tsanwendungen, Cloud-Speichern, Musik-Streaming Diensten etc. Aber nur Microsoft sprengt dabei auch konsequent die Grenzen der etablierten¬†Plattformen und ist mit seinen Produkten¬†auf allen Systemen vertreten,¬†das hei√üt auch: √ľber die gr√∂√ütm√∂gliche Bandbreite verf√ľgbarer Endger√§te. Schon heute kann ich fast problemlos von meinem Lumia auf ein Android Phone oder von meinem Windows Laptop auf ein MacBook wechseln und finde dort meine Bilder, meine Musik und meine wichtigsten Programme wieder.

Heutzutage ist in der Regel noch die Hardware der Einstieg in das jeweilige √Ėkosystem. Wer Apple Produkte besitzt, landet fast unweigerlich in der iCloud. Wer ein Android Phone nutzt, bindet sich meistens auch an die Google Services. Aber auch diese Logik wird sich in absehbarer Zeit umkehren. Bald werden es die Cloud-Dienste sein, die uns auf gewisse Hardware¬†festlegen, wir werden die Smartphones, die Tablets, die Uhren, vielleicht sogar die Autos kaufen, mit denen wir am besten auf unsere Kommunikationskan√§le, unsere Musik, unsere Gesundheitsdaten zugreifen k√∂nnen. Sp√§testens dann ist aber die Offenheit des Microsoft Kosmos ein unglaublicher Mehrwert.

Windows-10-Updates

Wer sich hingegen heute an Apple‚Äôs iCloud bindet, der begibt sich in einen goldenen K√§fig, aus dem er in absehbarer Zeit nur mit gr√∂√üter M√ľhe herauskommen wird. Wenn man¬†sich demn√§chst ein neues Smartphone kauft, hat man¬†dann die Wahl zwischen einem iPhone und einem gro√üen iPhone. Wenn man¬†ein neues Tablet will, darf man¬†sich zwischen einem iPad Air und einem iPad Mini entscheiden. Vermutlich wird man¬†sogar noch seinen Enkeln ein iPhone besorgen¬†m√ľssen, wenn man mit seine Foto-Alben¬†mit ihnen teilen will.

Dem Tech-Kr√∂sus aus Cupertino kann das nat√ľrlich nur Recht sein. Und auch der gemeine Apple-J√ľnger sieht das (noch) nicht als Einschr√§nkung, weil er ohnehin jedes Ger√§t mit Apfel-Logo f√ľr das non-plus-ultra h√§lt. Wer aber keinen ganz so begrenzten Horizont hat, wer in seinem (Tech-)Leben noch was erleben m√∂chte, der sollte heute mehr denn je die Finger von Apple‚Äôs √Ėkosystem lassen.

Google wiederum wird sicher fr√ľher oder sp√§ter den selben Weg gehen wie Microsoft, aber davor wird noch der Tag kommen, an dem ihr kindischer Boykott von Windows Phone negativ auf sie zur√ľckf√§llt. Mit fiesen Aktionen √† la ‚ÄěStart-Up √ľbernehmen ‚Äď Windows Support abschaffen‚Äú hat der Suchmaschinen-Riese zumindest bei mir viel Vertrauen verspielt. Hinzu kommt nat√ľrlich auch das wichtige Thema Datenschutz, bei dem Google mit seinem Gesch√§ftsmodell ‚ÄěService gegen Daten‚Äú zu Recht unter Generalverdacht steht.

Unterm Strich gibt es also nur einen vern√ľnftigen, √ľberzeugenden Partner mit dem ich in eine cloud first Zukunft gehen m√∂chte und das ist Microsoft. Mit OneDrive, Office, Skype, Cortana, Xbox Music und Microsoft Health. Und wenn Satya Nadella dann sein Versprechen wahr macht, dass man die beste Microsoft-Experience (wieder) auf Windows haben wird, dann ist das nat√ľrlich auch ein ganz starkes Argument f√ľr einen Windows PC, ein Windows Tablet und ein Windows Phone.

Aber machen wir uns nichts vor: Microsoft wird es – zumindest am Anfang – sehr sehr schwer haben, mit diesen Argumenten zum¬†Kunden durchzudringen. Die meisten Leute fragen: warum sollte ich ein Windows Phone nutzen, wenn es keine (oder kaum) Funktionen hat, die nicht auch auf anderen Ger√§ten zur Verf√ľgung stehen? Wo ist das Alleinstellungsmerkmal?

Die Frage scheint legitim, aber wer ihr zu viel Bedeutung beimisst, ist schlicht und ergreifend noch nicht im Cloud-Zeitalter angekommen. Die meisten Kunden wollen Exklusivit√§t, das kommt vom lateinischen excludere¬†= ausschlie√üen, aussperren, ausweisen. Sie √ľbersehen dabei, dass im Cloud-Zeitalter, eine Funktion, die andere ausschlie√üt, auch eine Funktion ist, die sie selbst einkerkert.

Wenn deine¬†10.000 Euro Smartwatch nur mit einem iPhone funktioniert, dann ist das kein Feature, sondern eine Einschr√§nkung. Wenn du¬†deine Musik¬†via iTunes¬†nicht zwischen einem Mac und einem Android Tablet synchronisieren kannst, dann ist das kein Alleinstellungsmerkmal, sondern r√ľckst√§ndig. Aber anstatt zu protestieren, freuen sich die¬†Leute, dass man¬†ihnen den Hintern pudert und merken nicht, dass Apple sie in Wirklichkeit an den Eiern packt.

Der m√ľndige User, der selbst entscheiden will, welchen Laptop er mit welchem Smartphone nutzt¬†(und wieviel er jeweils f√ľr die Ger√§te¬†ausgeben m√∂chte) sollte auf Microsoft und Windows setzen, gerade weil das System nicht versucht sich abzugrenzen.

Martin Geuss von Dr.Windows hat das¬†vor Kurzem¬†auf Twitter sehr sch√∂n ausgedr√ľckt: “Das Alleinstellungsmerkmal eines guten Systems sollte sein, dass es keine Alleinstellungsmerkmale besitzt.” Ich w√ľrde mich dem mit einer weiteren, scheinbar paradoxen Aussage anschlie√üen: ein guter Grund sich jetzt f√ľr ein Windows Phone zu entscheiden, ist, es beim n√§chsten mal nicht wieder tun zu m√ľssen.

Im besten Falle wird man nat√ľrlich nicht mehr wechseln wollen. Aber Freiheit war schon immer eine bessere Grundlage f√ľr wahre Liebe, als Zwang.


Dies ist ein Kommentar. Die Meinung des Autors muss nicht notwendigerweise die Meinung von WindowsUnited oder anderer Redaktionsmitglieder wiedespiegeln.

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